Das Theater im Hüttenhaus PDF Drucken

Das „Hüttenhaus“ der Friedrichshütte wird eingeweiht

Herdorf. ( RZ, 8. Mai 1954). In unmittelbarer Nähe der Friedrichshütte ist in langer Arbeit ein Werk entstanden, das weit und breit seinesgleichen an Großzügigkeit und Schönheit sucht. Es ist eine Kulturstätte für die Belegschaft und die Bevölkerung mit allen notwendigen Räumen und Einrichtungen. Auf einer Grundfläche von 800 qm entstand nach Plänen von Regierungsbaurat a.D. Grimm/Betzdorf ein zwei- bis dreigeschossiger Betonskelettbau, dessen Außenwände verklinkert sind.

Kernstück ist der große Saal im Obergeschoss, wie er in seiner Schönheit weit und breit noch nicht gesehen wurde. Unter Anwendung neuester technischer Errungenschaften – die Bühne kann per Wasserdruck gehoben und gesenkt werden – ist ein Werk entstanden, in dem Geist und Kultur eine hervorragende Pflegestätte finden werden. Der Saal fasst rund 430 Besucher, die leicht gewölbte Stuckdecke schmücken Malereien des Siegener Kunstmalers H.R. Köhler, die Symbiose von Technik, Kunst und Kultur darstellend. Gegenüber der großen Bühne von acht mal zwölf Metern befindet sich eine geräumige Empore, an der linken Seitenwand eine Loge.

Im Erdgeschoss befinden sich neben den sanitären Anlagen auch Räume der Fürsorge, wie eine Arztstation mit Röntgenanlage und Behandlungszimmer, Vorratsräume für die große Werksküche, Garagen und Garderoben. Entstanden ist auch die Hüttenschenke mit Nebenräumen und einer Bundeskegelbahn. Nimmt man den Weg ins Obergeschoss, so vermittelt das im Treppenhaus angebrachte große und künstlerisch gestaltete farbige Fenster einen nachhaltigen Eindruck. An einen geräumigen Vorraum schließen sich an ein großer Speiseraum für die Belegschaft, Schulungsräume und eine Werksbibliothek.

Am ”Tag der Arbeit”, am 1. Mai 1954, fand die offizielle Einweihung statt. Eingefunden hatte sich u.a. Innen- und Sozialminister Dr. Zimmer. Regierungsbaurat Grimm überreichte den Schlüssel dem Hausherrn, Direktor Heinz Berndt, welcher das Werk mit trefflichen Worten der Belegschaft übergab. Ansprachen von Arbeitsdirektor Paul Seeger und dem Betriebsratsvorsitzenden Fritz Döring folgten.

Es dürfte zutreffen, dass die Eröffnung des Hüttenhauses für ein Gebiet weit über das Hellertal hinaus von außerordentlicher Bedeutung ist. Der Arbeitsmann bleibt nicht mehr abseits der Kultur, die nicht mehr Domäne einer dünnen Volksschicht ist. Der Arbeitsmann hat Gelegenheit, in seinem ”eigenen” Werkshaus sich an den Schätzen der deutschen und europäischen Geisteswelt zu bereichern. Von allen Werksangehörigen geschaffen, gehört das neue Haus auch allen, die durch Arbeit, mit der Hand oder durch den Geist, das Gebäude haben entstehen lassen, wie es Direktor Seeger formulierte.

Mit der ersten Veranstaltung eröffnete das Hüttenhaus jene, vorerst nicht zu überschauende, auf Jahrzehnte hin vorgesehene Serie kultureller Veranstaltungen. Dies geschah nicht durch professionelle Künstler, sondern durch werksverbundene Laien: den MGV Wehbach unter Musikdirektor Stahl aus Köln und die Bollnbacher Berg- und Hüttenkapelle unter ihrem Dirigenten Paul Bittner. Für den Sommer ist die Aufführung des Lessing- Dramas ”Nathan der Weise” durch ein Ensemble der Ruhr- Festspiele vorgesehen.

Heute – 50 Jahre später, ist das Hüttenhaus immer noch die „Gute Stube“ der Stadt Herdorf und unverzichtbares Domizil für die vielfältigen kulturellen Aktivitäten der Herdorfer Vereine.

Die Friedrichshütte
Vorstand Kulturring
Frontansicht des Hüttenhauses mit Theatereingang
Blick von der Empore auf Saal, Loge und Bühne

Bühnenbauteam

Die künstlerisch gestaltete Fensterfront